Minister Vogelsänger kneift vor Fluglärmgegnern

Die Kundgebung unserer BI in Wilhelmshorst am 03.05.2011 war eine der größten Demos, die die Gemeinde jemals gesehen hat: Rund 450 Fluglärmgegner aus den Havelseegemeinden fanden sich am Dienstagabend in Wilhelmshorst ein, um Brandenburgs Verkehrminister Jörg Vogelsänger (SPD) mit Pfiffen zu empfangen. Vogelsänger war eigentlich zu einer Veranstaltung der örtlichen SPD zum Thema „Pendlerchaos“ geladen. „Aber wenn Minister Vogelsänger seine Verantwortung leugnet und jedes  Gespräch zum Thema Fluglärm verweigert, dann müssen wir ihn eben bei anderer Gelegenheit stellen, begründete Peter Kreilinger, Sprecher der BI Fluglärmfreie Havelseen, das Nutzen der Veranstaltung. Man werde nicht hinnehmen, dass mit Staatssekretär Bretschneider ein Sündenbock aus der zweiten Reihe als allein zuständig präsentiert und dann bequem in den Ruhestand „entsorgt“ wird. „Der zuständige Minister und der Ministerpräsident tragen die volle Verantwortung für den immensen geplanten Nachtflugbetrieb und alle Negativfolgen aus dem Bruch zahlreicher Versprechen“, so Kreilinger.

Ursprünglich war nach Angaben der BI nur eine kleine Mahnwache geplant. Sie sollte den für den Fluglärm verantwortlichen Minister, wenn er in das Gebiet unserer BI kommt, daran zu erinnern, dass die Havelseen nicht „Freiwild“ für die Flugroutenpläne sind und die Bürger nicht vergessen, wer ihren Bürgermeistern bis heute den Zugang zur Fluglärmkommission verweigert. Und dies, obwohl unsere Gemeinden teilweise unter 1.000 Metern überflogen werden und ihnen gerade aus Anflügen massive Lärmlasten drohen. Nach aktuellen Plänen der deutschen Flugsicherung (DFS) soll die zentrale Zuführung in den Nornbahnanflug mitten über die Besiedelungskerne der Havelseegemeinden mit etwa 55.000 Einwohnern geführt werden. Auch die Verantwortung für die vielen genehmigten Nachtflüge wollte man deutlich machen. Doch die Verärgerung der Fluglärmgegner aus der Havelseenregion erwies sich schlicht als so groß, dass sich innerhalb weniger Tage eine enorme Eigendynamik entfaltete, die in einem überfüllten Veranstaltungsgelände endete.

Diese Entwicklung macht uns Mut! Etwa 450 Leute binnen einer Handvoll Tagen hier auf die Beine zu stellen zeigt, wie sehr sich die Bürger dagegen wehren, dass BBI zur rücksichtslosen Verlärmung der ganzen Havelseenregion führt. Die Menschen hier sind zu Recht überzeugt, dass es bessere Alternativen gibt. Und sie haben den Eindruck, dass überhaupt nichts für sie getan wird und man ihre Sorgen nicht ernst nimmt. Diese enorme Ignoranz der Politik, insbesondere die Verweigerung von Vogelsänger und Platzeck, sich einer Diskussion mit uns zum Thema zu stellen und ebenso deutlich für die Brandenburger einzutreten, wie Wowereit das in Sachen Flugrouten für Berlin tut, macht die Menschen wütend und bringt sie auf die Straße. Dass von der Gemeinde und der örtlichen SPD mit allen Mitteln versucht wurde, die Kundgebung der besorgten Bürger nicht auf dem Schulhof stattfinden zu lassen, obwohl wir schon im Einvernehmen mit Schulleiter und Hausmeister alles durchgesprochen hatten zeigt, dass man genau weiß, was man den Menschen hier zumutet.

Ein Wilhelmshorster, der seine Mitbürger vor Ort für das Anliegen der BI begeistert hatte, machte deutlich, dass dies erst der Anfang sei. „Der Knoten ist jetzt geplatzt. Die Menschen erkennen, dass die Warnungen der BI vor den Anflugrouten keine Hirngespinste waren, sondern bittere Realität zu werden drohen. Dagegen werden wir kämpfen“.

In seiner Begrüßung forderte Kreilinger Vogelsänger dazu auf, den anwesenden Bürgern zu erklären, warum sie künftig nur von 0.00 – 05.00 Uhr Nachtruhe haben sollen und warum er überhaupt nichts dafür tut, dass die Region umflogen wird. Mit Verweis auf die Anhörung zum Nachtflugverbot und den dort eindeutig belegten schweren gesundheitlichen Folgen nächtlichen Fluglärms warf er Vogelsänger vor, bewusst die Gesundheit der betroffenen Menschen zu schädigen. Doch der Minister war nur zu einigen allgemeinen Begrüßungsworten bereit. Unter Buhrufen und einem Pfeifkonzert zog er sich fluchtartig in den Veranstaltungssaal zurück.

Demonstrierende Kinder, die ihren Unmut deutlich artikulierten, wurden von Susanne Melior mit ausgestrecktem Zeigefinger und „wir sehen uns noch“ eingeschüchtert. Um zu verhindern, dass Vogelsänger sich nach der eigentlichen Veranstaltung nochmals den Demonstranten stellen muss, forderten Gemeinde-Vertreter die Räumung des Veranstaltungsgeländes. Die Fluglärmgegner kamen dem nach etwa eineinhalb Stunden nach.

„Die Menschen hier werden nicht vergessen, wie man mit ihnen umgeht. Es ist aberwitzig, wenn sich der Minister um 18.00 Uhr auf einer Veranstaltung vom Lärm einer Demonstration gestört fühlt, der deutlich unter dem liegt, was er den Menschen der Region Nacht für Nacht an Fluglärm in ihren Schlafzimmern zumuten will. Statt Vogelsänger müsste der Minister eigentlich Düsenklänger heißen“, so Kreilinger.

„Die Bürger der Region werden nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen, wenn nichts für sie getan wird. Man kann sich vielleicht einen Abend verschanzen und dem Gespräch verweigern. Auf Dauer aber wird das nicht gut gehen“, so Johannes Haape, der die Aktion mit einem gecharterten Bus unterstützte. „Es ist doch aberwitzig, dass jetzt genau die Menschen, die im Vertrauen auf die Versprechungen der Politik aus der Großstadt weggezogen sind, um es besonders ruhig zu haben, unter der zentralen Einflugschneiße liegen sollen“, so der Caputher Unternehmer.

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